Bernhard Ciemilewski (1924 – 2005)

Opa Bernhard Ciemilewski 1986 mit 62 Jahren

Bernhard Ciemilewski (81)
– Vertreibung –
* 09.08.1924
† 22.08.2005

Bernhard Ciemilewski wurde im heutigen Polen geboren.
Mutter Viktoria starb mit 32 als er erst 1 Jahr alt war.
Seine Familie wurde 1945 auseinandergerissen und heimatvertrieben, sein Vater kam um.
Bernhard sah seine 6 anderen Geschwister niemals wieder,
erfuhr nie was aus ihnen wurde.
An seinem 21ten Geburtstag fiel dann im fernen Japan die zweite Atombombe nieder – auf Nagasaki.
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Im fernen Brandenburgischen untergekommen — lernte er in Klein Mutz Elisabeth Krüger kennen.
Auf dem „Großen Timpen“ [Bismarck-Turm] von Klein Mutz
folgte der erste Kuss,
die große Liebe
.. am 20.01.1950 die Hochzeit.
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Eine Familie wurde gegründet, die Nachfahren kamen.
Vom Polizeidienst, wechselte er zum Melker,
bevor Bernhard Cimielewski für viele Jahre Inspektor der LPG* wurde.
* [Anm.: Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft]
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Der Hungerwinter 1945/46 saß allen Deutschen noch lange in der Angst.
Nun für die Nahrungserzeugung Verantwortung zu tragen – war Bernhards Aufgabe.
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Dafür wurde er am 07.10.1969 in Schönfließ mit dem
Vaterländischen Verdienstorden ausgezeichnet — Der 20te Geburtstag einer jungen Republik.
Hoffnungsschimmer auf eine bessere Welt der die Menschen, ob heimatvertreiben oder ortsansässig, einte.
Bernhard hatte es geschafft in 20 Jahren in der Fremde erfolgreich ein neues Leben aufzubauen !!
Die älteste Tochter hatte geheiratet,
der erste Enkelsohn war wenige Wochen zuvor geboren worden.
Sie wohnten alle im selben Dorf.
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Dieser Orden war das offizielle Zeichen dafür,
dass aus Schutt und Ruinen ein neues Land – ein neues Leben entstanden war,
sein neues Leben, dass es eine Zukunft gab und er nicht untergegangen war im Schmerz des Schweigens.
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Das Glück aber blieb ihm nicht – seine Elisabeth starb 1971 mit nur 41 Jahren. Der Unterleib.
Ein Jahr danach geschah seiner Tochter ein Verbrechen auf ihrem Heimweg von Arbeit.
Das Feld. Der Feldweg.
Die Dorfbewohner Schönfließ´ schwiegen.
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Bernhard zog weg. Die Tochter zog weg.
Nichts von ihnen blieb – nur zwei stumme Gräber.
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Bernhard Ciemilewski heiratete Irma.
Sie war auch Heimatvertriebene, hatte nicht viel Glück gehabt,
viele Lasten und ihre eigenen 3 Kinder zu tragen.
Bernhard suchte das zu halten und wie schwer das wurde
zeigten die 3 Herzinfarkte, die folgten.
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Bis ins hohe Alter sprach Bernhard Ciemilewski nie über die Erlebnisse der Vertreibung
noch über den Krieg – mühte sich den neuen Staat mit aufzubauen
und ein guter Ehemann, Vater und Großvater zu sein
und dann ein guter Stief-Vater.
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Älter als 80 wollte er nicht werden – Bernhard Ciemilewski wurde 81.
Leukämie.
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In ehrendem Gedenken
Tag für Tag
Dein ältester Enkel Frank

[Anm.: Ciemilewski: für `ciemny´ = dunkel, meist für waldgelegene Herkunft.]
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(Spurensuche 2026)

Das Schweigen und die Wahrheit

Im Jahr 2026 fand sich eine Spur.
Erfuhren wir, warum Opas Satz:

„Darüber wird nicht gesprochen!“

… seinen tiefen, schmerzhaften Grund hatte.

Wir konnten ermitteln, von wo Opa heimatvertrieben wurde: Allenstein, das heutige Olsztyn in Polen.
Aus den Abbauten. (Ausserhalb gelegene Güter)
Hier konkret: Stolzenberg.
Sein Vater Paul Ciemilewski war dort der Oberverwalter dieses Guts.

Zitat: >> „Die Rote Armee nahm die ostpreußische Stadt Allenstein am 22. Januar 1945 ein.
Nach der Eroberung kam es zu schweren Ausschreitungen, Zerstörungen
und grausamen Kriegsverbrechen an der verbliebenen Zivilbevölkerung.
Die Bewohner der Abbauten – der Höfe und Siedlungen in den Randlagen – konnten nicht mehr rechtzeitig gewarnt werden.
Die Kommunikation war am 21. und 22. Januar völlig zusammengebrochen.
So fielen die sowjetischen Soldaten des 3. Kavallerie-Garde-Korps und der 48. Armee dort als Erstes ein.
Die Menschen waren ihnen vollkommen schutzlos ausgeliefert.
“ <<
[Anm.: Recherche via Google KI]

Auseinander gerissen zu werden von seinen Geschwistern,
Nichten und Neffen in diesen Kriegswirren – war ein Abschied für immer, ohne ein letztes Wort,
ohne jemals zu wissen, wohin das Schicksal sie alle trieb.
Viele Menschen überlebten die Flucht damals nicht.
Was der damals 20-jährige Bernhard in jenen eisigen Januartagen sah und durchlebte,
brannte sich tief in seine Seele ein.
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Es war das Unaussprechliche, das ihn für den Rest seines Lebens begleiten sollte.

Heute ist klar: Das Schweigen war Opas Selbstschutz,
um nicht zu zerbrechen am Trauma der Kriegsschrecken.
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Die späten Tränen

Als Bernhard 80 Jahre alt wurde, feierten wir unten im Hof in Liebenwalde.
Opa stand da, blickte auf die anwesenden Gäste und weinte plötzlich so bitterlich, dass seine Schultern bebten.

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Er sah seine Nachkommen und fühlte die Last eines ganzen Lebens,
die er immer allein getragen hatte.
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Nur einer stand auf und umarmte ihn.


„Darüber wird nicht gesprochen!“ .. wurde zum transgenerationalen Muster,
übernommen um zu schweigen, zu verdrängen, auszuweichen ..
… einer kalten Waffe gleich, die seither die Schwächsten zu zerbrechen droht ..
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Bernhard hielt jedoch durch – um seinen Nachfahren
ein Einst zu ermöglichen in welchem „sie es mal besser haben werden.“
++ Das in Demut & Dankbarkeit zu erkennen,
dass sie es nun besser haben
.. obliegt einem jedem selbst..++

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.. was ist es – das von uns bleiben wird ??
ein foto .. ein gedanke .. eine flüchtige erinnerung .. ein orden ??
die liebe die wir fühlen konnten ??

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