Gerd Hänsel

Gerd, du alte Abrissbirne,
hiermit nehme ich offiziell zur Kenntnis, dass dein biologisches Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Ein extrem geschickter Schachzug von dir, um dich der Steuerpflicht, den Idioten auf den Straßen und den Launen dieser Welt zu entziehen.
Ich habe dir ja ein bisschen Ruhe gegönnt, aber du musstest es ja gleich wieder komplett übertreiben und dich ohne Vorwarnung aus dem Staub mache. Jetzt hast du also den Asphalt gegen das Graswachsen von unten getauscht.
Als Fahrlehrer hast du mir beigebracht, wie man auf zwei Rädern überlebt – aber bei deiner eigenen letzten Ausfahrt hast du den Schulterblick wohl glatt vergessen und den Blinker viel zu spät gesetzt.
Mal ehrlich: Ich bin richtig sauer auf dich! Die durchschnittliche Lebenserwartung um satte sechs Jahre zu unterschreiten, ist ein absoluter Skandal und eigentlich nicht zu akzeptieren!
Schallbach ist ab sofort definitiv ein ganzes Stück ärmer, leiser und verdammt noch mal langweiliger. Du warst ein verlässlicher, treuer Freund mit Ecken, Kanten und manchmal unbequem, auf den man sich jedoch blind verlassen konnte.
Ich hoffe sehr, dass bei deinem letzten offiziellen Termin mit Anwesenheitspflicht laute E-Gitarren dröhnten und tausend Freunde dich verabschiedet haben – genau so, wie wir es immer besprochen hatten.
Mach’s gut, Alter. Genieß dein ewiges Thailand im Himmel, zieh am Gas, bis die Wolken glühen, und geig den Engeln ordentlich die Meinung, wenn sie dir ohne Vorfahrt in die Quere fliegen.
Wir trinken ein kühles Bier auf dich.
Gute Reise, Kumpel!
Dein Dich vermissender alter Freund
Frank a. K. w. i. I.

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